Sintertechnisch hergestellte Gleitlager aus Metallpulver werden in nahezu allen Bereichen der Technik eingesetzt. Sie besitzen hohe Fertigungsgenauigkeit. Die Porosität des Sinterwerkstoffes ermöglicht den Zusatz von Schmierzusätzen in flüssiger und fester Form. Dadurch können Sintergleitlager als selbstschmierende Gleitlager eingesetzt werden.

Standard-Sinterlager werden nach DIN 1580-3 bzw. ISO 2795 hergestellt. Sie werden als Zylinderlager, Bundlager und Kalottenlager ausgeführt. Weitere Ausführungen können nach Kundenzeichnung produziert werden, wenn diese eine wirtschaftlich interessante Lösung darstellen. Sinterlager werden in großen Stückzahlen hergestellt. Für Sonderabmessungen oder kleinere Stückzahlen kann eine spanabhebende Bearbeitung eine optimale Lösung sein. Für Großserien von Sonderteilen werden Werkzeuge hergestellt.

Die Basiswerkstoffe für Sintergleitlager sind Bronze und Eisen in Pulverform. Zinn ist neben weiteren Zugaben ein wesentlicher Bestandteil für Sinterbronze-Gleitlager. Für die Standardtypen wird eine Metallpulvermischung verwendet, die für universelle Anwendungsmöglichkeiten geeignet ist. Für spezielle Anforderungen können Sondermischungen für die Herstellung der Sinterteile produziert werden. Zum Beispiel bietet ein umfassendes Sortiment an Sinterwerkstoffen mit weichmagnetischen Eigenschaften Möglichkeiten bei zahlreichen elektronischen Systemen, wie z.B. in ABS-Bremsen, intelligenten Stoßdämpfern und Kraftstoff-Einspritzanlagen, Diskettenlaufwerken, Druckern, Medizin- und Haushaltsgeräten, Messinstrumenten oder in der Industrieelektronik.

Die Herstellung von Sintergleitlagern erfolgt in mehreren Produktionsschritten:

  1. Der aus einer Metallpulvermischung, Zusätzen und Schmiermitteln bestehe Rohstoff wird in ein Presswerkzeug gefüllt,
  2. gepresst,
  3. gesintert und
  4. kalibriert.
  5. Zum Abschluss erfolgt die Öltränkung, die Sinterlager mit einer lebenslangen Schmierung versorgt.

Der Pressvorgang besteht aus dem Befüllen des Presswerkzeugs. Ein Stempel verdichtet das Material. Dann wird der Teil aus der Presse ausgestoßen. Der so entstandene Grünling besitzt schon ausreichende Festigkeit, um mit der automatischen Beförderungseinrichtung dem Sinterofen zugeführt zu werden.

Während des Sinterprozesses durchläuft das Gleitlager mehrere Zonen. Dieser Sinterprozess wird in einer reduzierten Atmosphäre durchgeführt.

Im Verlauf dieses Prozesses verschweißen die Pulvergranulate aufgrund atomarer Diffusion zwischen den Metallteilchen, wodurch das Teil seine mechanischen und physischen Eigenschaften erlangt. Eine langsame Abkühlung vermeidet einen Oxidationsverschleiß (oder Verzunderung) der Teile.

Als nächstes wird in einem weiteren Pressvorgang das Gleitlager kalibriert. Dadurch wird die Dichte erhöht, die notwendige Toleranz und Präzision erzeugt und die Oberflächenbeschaffenheit verbessert.

In einem Kessel wird unter dem Einfluss von Druck und Temperatur die Imprägnierung mit Öl durchgeführt. Das Öl füllt bis zu 90% des Volumens der Hohlräume des porösen Teiles aus.

Das poröse und mit Schmieröl getränkte Material ermöglicht eine dauerhafte Schmierung. Durch die Rotation der Welle wird das Öl aus den Poren gesaugt und bildet einen Schmierfilm. Kommt die Welle zum Stillstand, wird durch die Kapillarwirkung das Öl wieder in den Sinterwerkstoff des Lagers zurückgesaugt.

Der Einsatz von Sintergleitlagern kann in einem Temperaturbereich zwischen -60°C und +250°C erfolgen. Für dynamische Belastungen bis zu 20 N/mm² und Gleitgeschwindigkeiten bis zu 6 m/s können Sinterlager eingesetzt werden, wobei der materialspezifische pv-Wert (das Produkt aus spezifischer Belastung N/mm² und Umfangsgeschwindigkeit m/s der Welle) nicht überschritten werden darf. Ein entsprechender Schmierstoff ist dabei zu berücksichtigen.

Für die Auslegung von selbstschmierenden Sinterlagern müssen Belastung, Umfangsgeschwindigkeit, Temperatur und Wellenwerkstoff berücksichtigt werden.

Sinterlager bieten zahlreiche Vorteile:

  • einfache und schnelle Montage
  • Präzision
  • ruhiger und wartungsfreier Lauf
  • niedriger Reibungskoeffizient
  • lange Lebensdauer
  • hohe Betriebssicherheit
  • kein Festlaufen
  • Preisvorteile bei großen Serien
  • RoHs-konform

Anwendungen von Sinterlagern sind in nahezu allen Industriebereichen zu finden:

  • Maschinen-, Motoren- und Getriebebau
  • Pressen
  • Werkzeug-, Textil-, Druckerei- und Verpackungsmaschinen
  • In der Chemie-, Lebensmittel- und Getränkeindustrie
  • In der Medizintechnik
  • Bei langwirtschaftlichen Maschinen und Fahrzeigen
  • Elektromotoren
  • Büromaschinen
  • Optischen Geräten
  • Sport- und Spielgeräten.